E-Mail-Automation: So funktionieren automatisierte Workflows
E-Mail-Automationen sind mehr als automatisch versendete Nachrichten: Sie bilden ereignis- und regelbasierte Prozesse ab, die jeder Kontakt individuell durchläuft. Dieser Artikel zeigt, wie Trigger, Bedingungen, Aktionen und Wartezeiten zusammenspielen und wie E-Mail-Automationen technisch und logisch funktionieren.
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E-Mail-Automation bedeutet, dass vordefinierte Prozessschritte automatisch ausgelöst werden, sobald bestimmte Ereignisse eintreten oder festgelegte Regeln erfüllt sind. Statt eine E-Mail zu einem festen Zeitpunkt manuell an viele Empfänger zu versenden, durchläuft jeder Kontakt den für ihn vorgesehenen Workflow individuell.
Dahinter steckt eine nachvollziehbare Logik: Ein Ereignis startet den Prozess, Bedingungen prüfen den Kontakt, Aktionen werden ausgeführt, Wartezeiten steuern das Timing und Verzweigungen bestimmen den weiteren Weg. Austrittsregeln sorgen dafür, dass ein Kontakt den Workflow beendet, sobald das vorgesehene Ziel erreicht ist.
Wer diese Bausteine versteht, kann nachvollziehen, wie E-Mail-Automationen unabhängig von der verwendeten Software technisch und logisch funktionieren.
Was ist E-Mail-Automation?
Eine E-Mail-Automation ist die automatische Ausführung vordefinierter Prozessschritte auf Basis von Ereignissen und Regeln. Der Ablauf wird also im Voraus festgelegt, anschließend aber individuell für einzelne Kontakte ausgelöst.
Ein einfaches Beispiel ist eine Newsletter-Anmeldung: Sobald sich ein Kontakt anmeldet und die notwendigen Voraussetzungen erfüllt, kann eine Welcome-Strecke beginnen. Ein anderer Kontakt kann denselben Ablauf erst Tage oder Wochen später starten, weil für ihn das auslösende Ereignis entsprechend später eintritt.
Damit unterscheidet sich eine Automation von einem Ablauf, bei dem alle Empfänger gleichzeitig dieselbe Nachricht erhalten. Jeder Kontakt bewegt sich abhängig von seinem Eintrittszeitpunkt und gegebenenfalls seinem weiteren Verhalten durch den Workflow.
Wie unterscheidet sich E-Mail-Automation vom normalen Newsletterversand?
Bei einer manuellen E-Mail-Kampagne wird eine Nachricht zu einem festgelegten Zeitpunkt an ein definiertes Segment versendet. Der Versandzeitpunkt wird für die Kampagne bestimmt.
Eine Automation folgt einer anderen Logik. Sie reagiert auf individuelle Nutzeraktionen, Ereignisse oder Änderungen von Attributen. Nicht der gemeinsame Versandtermin ist entscheidend, sondern die Frage, wann ein einzelner Kontakt die festgelegten Voraussetzungen erfüllt.
Ein Workflow kann beispielsweise beginnen, wenn sich ein Kontakt anmeldet. Anschließend kann er zwei Tage warten, das Verhalten des Kontakts prüfen und abhängig vom Ergebnis unterschiedliche Aktionen ausführen.
Der wesentliche Unterschied liegt damit nicht einfach darin, dass E-Mails „automatisch“ statt manuell verschickt werden. Eine Automation bildet einen ereignis- und regelbasierten Prozess ab, den Kontakte zu unterschiedlichen Zeitpunkten und gegebenenfalls auf unterschiedlichen Pfaden durchlaufen.
Das Grundprinzip: So funktioniert eine E-Mail-Automation
Ein automatisierter Workflow folgt einer Ursache-Wirkungs-Logik. Anbieter verwenden für einzelne Komponenten teilweise unterschiedliche Bezeichnungen. Anbieterunabhängig lässt sich der Ablauf vereinfacht so darstellen:
Datenquelle → Trigger → Eintrittsqualifikation → Aktionen → Wartezeiten → Bedingungen und Verzweigungen → Ziel und Austritt
Die einzelnen Elemente hängen unmittelbar zusammen. Ein ereignisbasierter Trigger kann beispielsweise nur reagieren, wenn das entsprechende Ereignis dem E-Mail-System als Information vorliegt. Eine Bedingung kann nur zuverlässig entscheiden, wenn die dafür benötigten Kontakt- oder Verhaltensdaten vorhanden und aktuell sind.
Ebenso wichtig ist das Ende des Prozesses. Wird das Ziel einer Automation bereits während des Ablaufs erreicht, muss eine entsprechende Austrittsregel verhindern, dass unpassende Folgeschritte trotzdem ausgeführt werden.
ℹ️ Hinweis
Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Software. Omnisend arbeitet beispielsweise mit „Trigger“, „Condition“ und „Action“, Brevo unter anderem mit „Trigger“, „Aktionen“ und „Regeln“, während HubSpot unter anderem von „Enrollment Triggers“, „Actions“ und „Unenrollment“ spricht. Plattformübergreifend lassen sich dafür die anbieterneutralen Begriffe Trigger, Bedingungen, Aktionen, Wartezeiten und Austritt verwenden. Entscheidend ist die Funktion des jeweiligen Bausteins, nicht seine Bezeichnung im Tool.
Die Bausteine eines E-Mail-Workflows im Detail
Trigger und Eintritt: Was startet den Workflow?
Der Trigger ist der Auslöser einer Automation. Erst wenn die definierte Startbedingung eintritt, beginnt der Workflow für einen Kontakt. In vielen Systemen können auch mehrere alternative Trigger für denselben Einstieg vorgesehen werden.
Grundsätzlich lassen sich unterschiedliche Arten von Startbedingungen unterscheiden.
Ereignisbasierte Trigger reagieren auf ein bestimmtes Ereignis. Dazu können beispielsweise eine Anmeldung, ein Klick, ein Kauf oder eine Formularaktion gehören.
Zustands- oder filterbasierte Trigger orientieren sich an vorhandenen Eigenschaften oder Zuständen eines Kontakts. Entscheidend ist dann, ob bestimmte Attribute oder Filterkriterien erfüllt sind.
Zeit- oder datumsbasierte Trigger starten anhand eines zeitlichen Kriteriums.
Entscheidend für die Funktionsweise ist deshalb die eindeutige Startbedingung: Ein konkretes Ereignis oder ein definierter Zustand bestimmt, wann ein Kontakt in den Workflow eintritt.
Bedingungen und Filter: Wer darf welchen Weg nehmen?
Ein Trigger und eine Bedingung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Der Trigger startet den Prozess. Eine Bedingung prüft dagegen, ob ein bestimmtes Kriterium erfüllt ist. Bedingungen können bereits beim Eintritt zur Qualifikation eines Kontakts dienen oder später im Workflow den weiteren Verlauf bestimmen.
Angenommen, eine Newsletter-Anmeldung löst einen Workflow aus. Vor dem Versand kann zusätzlich geprüft werden, ob eine gültige Versandberechtigung vorliegt. Später könnte eine weitere Bedingung prüfen, ob der Kontakt einen bestimmten Link angeklickt hat.
Damit lassen sich Kontakte innerhalb desselben Workflows unterschiedlich behandeln, ohne für jede mögliche Reaktion einen vollständig separaten Prozess anzulegen.
Aktionen: Eine Automation kann mehr als E-Mails versenden
Eine Aktion ist ein Schritt, den das System innerhalb des Workflows ausführt. Das kann der Versand einer E-Mail sein, darauf ist die Funktion aber nicht beschränkt.
Je nach System können zu den Aktionen beispielsweise gehören:
- eine E-Mail versenden
- eine interne Benachrichtigung auslösen
- einen Tag setzen oder entfernen
- ein Kontaktattribut aktualisieren
- einen Kontakt einer Liste oder einem Segment zuordnen beziehungsweise entsprechend verschieben
- Daten über einen Webhook weitergeben
Ein Tag ist dabei eine im System hinterlegte Kennzeichnung eines Kontakts. Ein Attribut bezeichnet eine gespeicherte Eigenschaft oder Information zum Kontakt.
Diese Datenaktionen sind ein wichtiger Bestandteil der Workflow-Logik. Eine Automation kann damit nicht nur Kommunikation auslösen, sondern auch Informationen für spätere Prozessschritte aktualisieren.
Wartezeiten: Feste Verzögerung oder auf ein Ereignis warten?
Wartezeiten steuern, wann der nächste Schritt eines Workflows ausgeführt wird. Dabei sind zwei Logiken zu unterscheiden.
Eine feste Verzögerung lautet beispielsweise:
„Warte zwei Tage.“
Der Kontakt verbleibt für die festgelegte Dauer an dieser Stelle. Erst danach geht es weiter.
Eine ereignisabhängige Wartebedingung könnte dagegen lauten:
„Warte auf einen Klick, maximal zwei Tage.“
Hier kann das relevante Ereignis bestimmen, wann der Workflow fortgesetzt wird. Die festgelegte Maximaldauer begrenzt das Warten.
ℹ️ Hinweis
„Warte zwei Tage“ und „Warte bis zum Klick, maximal zwei Tage“ beschreiben unterschiedliche Abläufe. Die erste Wartezeit ist statisch. Die zweite reagiert auf ein Ereignis und besitzt zusätzlich eine zeitliche Obergrenze. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil beide Varianten zu unterschiedlichen zeitlichen Abläufen innerhalb einer Automation führen.
Verzweigungen: Wenn/Dann-Logik für unterschiedliche Pfade
Eine Verzweigung, häufig auch als Split bezeichnet, teilt den Workflow abhängig von einer Bedingung in unterschiedliche Wege.
Eine einfache Prüfung könnte lauten:
Hat der Kontakt auf Link X geklickt?
- Ja → Tag setzen und Workflow beenden
- Nein → Follow-up-Mail versenden und anschließend beenden
Die Entscheidung kann sich auf Verhalten oder auf vorhandene Profileigenschaften beziehen. Dadurch müssen nicht alle Kontakte unabhängig von ihrem Verhalten dieselben weiteren Schritte durchlaufen.
Ziele und Austrittsbedingungen: Wann muss der Workflow enden?
Jeder Workflow braucht eine definierte Austrittslogik. Neben dem regulären Ende ist vor allem der vorzeitige Austritt wichtig.
Eine Exit Condition beendet den Durchlauf eines Kontakts, sobald ein festgelegtes Ziel oder Kriterium erfüllt ist – unabhängig davon, an welcher Stelle des Workflows sich der Kontakt gerade befindet.
Besonders deutlich wird das bei einer Warenkorbabbruch-Automation. Ihr Zweck besteht darin, auf einen noch nicht abgeschlossenen Kauf zu reagieren. Erfolgt der Kauf während der Automation, hat sich die Ausgangssituation geändert. Der Kontakt muss aus der entsprechenden Erinnerungsstrecke entfernt werden.
Wiedereintritt: Wie oft darf ein Kontakt den Workflow starten?
Neben dem Austritt spielt auch der Wiedereintritt eine Rolle. Er bestimmt, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Kontakt später erneut in dieselbe Automation eintreten kann.
Bei einer Welcome-Strecke kann ein einmaliger Durchlauf vorgesehen sein. Eine Profiländerung sollte dann nicht dazu führen, dass derselbe Kontakt immer wieder von vorn durch die Begrüßungsstrecke läuft.
Die grundlegenden Bausteine einer E-Mail-Automation werden je nach Software unterschiedlich umgesetzt und bezeichnet. Wenn Sie sehen möchten, wie solche Funktionen konkret in KlickTipp abgebildet werden, können Sie dafür den Grundlagenkurs des Anbieters nutzen.
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Beispiel: So funktioniert eine Welcome-Automation
Ein Kontakt meldet sich zum Newsletter an. Die Anmeldung bildet den Trigger. Nach Prüfung der Versandberechtigung wird die Welcome-Mail versendet. Nach einer Wartezeit kann eine Bedingung prüfen, ob der Kontakt auf einen bestimmten Link geklickt hat. Abhängig vom Ergebnis führt die Automation unterschiedliche Aktionen aus.
Der Ablauf zeigt vereinfacht das Grundprinzip:
Trigger → Qualifikation → Aktion → Wartezeit → Bedingung → weitere Aktion
Welche Daten braucht eine E-Mail-Automation?
Eine Automation kann nur auf Informationen reagieren, die dem System tatsächlich zur Verfügung stehen. Deshalb beginnt die technische Logik bereits vor dem eigentlichen Trigger.
Vereinfacht lässt sich die Kette so darstellen:
Datenquelle → Ereignis oder Attribut → Automationsregel → Aktion
Soll beispielsweise ein Kauf eine bestimmte Regel auslösen, muss das E-Mail-System das Kaufsignal von der entsprechenden Datenquelle erhalten. Ereignisdaten können über technische Verbindungen wie Website-Tracker, API-Schnittstellen oder Webhooks an das System übermittelt werden.
Dasselbe Prinzip gilt für andere Ereignisse wie Klicks oder Formularaktionen: Fehlt das benötigte Signal, kann eine darauf basierende Automationsregel nicht reagieren.
Auch Kontaktdaten und Attribute müssen aktuell sein. Wenn ein Filter anhand eines gespeicherten Merkmals entscheidet, kann er nur die Information auswerten, die tatsächlich im System vorhanden ist.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, was den Workflow auslöst, sondern auch, woher das System die Information erhält, dass dieses Ereignis eingetreten ist. Ohne die entsprechende Datenquelle kann der vorgesehene Trigger nicht reagieren.
Drei typische Automationsarten folgen derselben Grundlogik
Welcome-Strecken, Warenkorbabbruch-Automationen und Reaktivierungsstrecken verfolgen unterschiedliche Ziele. Technisch lassen sie sich dennoch mit denselben grundlegenden Workflow-Bausteinen konzipieren.
Welcome-Strecke
Der Trigger ist die Anmeldung. Die Strecke dient dem Erstkontakt und der Orientierung. Der Wiedereintritt ist typischerweise auf einen einmaligen Durchlauf ausgelegt.
Entscheidend ist hier unter anderem, dass eine spätere Profiländerung nicht unbeabsichtigt wieder die komplette Welcome-Strecke auslöst.
Warenkorbabbruch-Strecke
Ausgangspunkt ist ein Produkt im Warenkorb ohne abgeschlossenen Kauf. Das Ziel des Workflows ist der Kaufabschluss.
Hier spielt die Exit Condition eine zentrale Rolle: Wird der Kauf abgeschlossen, muss der Kontakt aus der Erinnerungsstrecke austreten. Ein späterer neuer Warenkorbabbruch kann dagegen einen erneuten Durchlauf auslösen, sofern die Automation einen Wiedereintritt zulässt.
Reaktivierungs-Strecke
Eine Reaktivierungsstrecke kann anhand eines Zeitstempels beziehungsweise einer definierten Inaktivitätsdauer gestartet werden. Ihr Ziel ist ein erneutes Engagement des Kontakts. Als Austrittskriterien können beispielsweise ein Klick, eine Öffnung oder eine Abmeldung dienen.
Damit unterscheiden sich die drei Muster vor allem bei Trigger, Timing, Ziel und Austrittsregeln. Das Grundgerüst aus Start, Prüfung, Aktionen, zeitlicher Steuerung und Austritt bleibt bestehen.
Versandberechtigung als rechtlicher und technischer Guardrail
Bei automatisierten Werbe-E-Mails muss neben der technischen Workflow-Logik auch die Versandberechtigung berücksichtigt werden.
In Deutschland dürfen E-Mails mit werblichem Inhalt nach § 7 UWG grundsätzlich nur an Kontakte versendet werden, wenn eine wirksame Einwilligung oder eine gesetzliche Ausnahme vorliegt. Für Bestandskunden besteht eine eng begrenzte Ausnahme unter den entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen.
Für die Automation bedeutet das vor allem: Die Information, ob eine Versandberechtigung vorhanden ist, muss als technisches Eintritts- oder Filterkriterium berücksichtigt werden.
Eine mögliche Workflow-Prüfung lautet entsprechend:
Versandberechtigung vorhanden = Ja
Erst wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, dürfen die vorgesehenen werblichen Automations-E-Mails an den Kontakt versendet werden.
⚠️ Warnung
Eine Automation ersetzt nicht die Prüfung der Versandberechtigung. Ein technisch vorhandener Kontakt ist nicht automatisch für den Versand werblicher E-Mails freigegeben. Der entsprechende Status muss in der Workflow-Logik berücksichtigt werden.
Fazit: E-Mail-Automation folgt Ereignissen und Regeln
E-Mail-Automation lässt sich unabhängig vom verwendeten Tool als logisches System verstehen: Daten liefern die benötigten Signale, ein Trigger startet den Workflow, Bedingungen qualifizieren Kontakte und steuern Verzweigungen, Aktionen führen die vorgesehenen Schritte aus und Wartezeiten bestimmen den zeitlichen Verlauf. Exit Conditions und Wiedereintrittsregeln kontrollieren schließlich, wann ein Durchlauf endet und ob er später erneut beginnen darf.
Wer aus diesen Bausteinen einen vollständigen Ablauf entwickeln möchte, muss zusätzlich Struktur, Pfade, Ein- und Austritt sowie das Zusammenspiel mehrerer Automationen planen. Wie das funktioniert, zeigt die Planung von Automation-Workflows.
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