Marketing-Automation-Workflow planen: In 12 Schritten zum vollständigen Ablauf
Ein belastbarer Marketing-Automation-Workflow beginnt mit klarer Logik, nicht im Automation-Builder. In zwölf aufeinander aufbauenden Schritten planen Sie Zielzustand, Eintritt, Trigger, Daten, Pfade, Timing, Exit-Regeln, Wiedereintritt, Schnittstellen und Tests. So entsteht ein vollständiger, prüfbarer Ablauf, bevor Sie ihn in einem Tool technisch umsetzen.
Inhaltsverzeichnis
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Ein Marketing-Automation-Workflow sollte nicht erst im Automation-Builder entstehen. Entscheidend ist die Ablauflogik davor: Welches Ergebnis soll erreicht werden? Wer darf eintreten? Welches Ereignis startet den Ablauf? Welche Daten werden benötigt? Wann muss ein Kontakt den Workflow wieder verlassen?
Mit einer festen Planungsreihenfolge lässt sich ein einzelner Marketing-Automation-Workflow zunächst vollständig auf Papier oder einem Board konstruieren. Erst wenn Trigger, Daten, Pfade, Wartezeiten, Austrittsregeln und Testfälle zusammenpassen, folgt die technische Umsetzung im gewählten Tool.
Die folgenden zwölf Schritte führen vom gewünschten Endzustand bis zum Pre-Live-Test. Im Mittelpunkt steht dabei die Architektur eines einzelnen E-Mail-Marketing-Automation-Workflows – nicht die Planung eines kompletten Funnels und nicht die Bedienung eines bestimmten Automation-Tools.
1. Ziel und gewünschten Endzustand definieren
Beginnen Sie nicht mit dem Trigger. Planen Sie den Workflow stattdessen vom gewünschten Ergebnis rückwärts.
Dabei sollten drei Ebenen getrennt werden:
- Geschäftsziel: Welchen übergeordneten Zweck verfolgt der Workflow? Ein mögliches Ziel ist beispielsweise eine stärkere Kundenbindung.
- Erfolgskennzahl: An welcher Messgröße soll sich der Erfolg beobachten lassen? Das kann beispielsweise die Konversionsrate sein.
- End- oder Exit-Zustand im System: Welcher konkrete Datenzustand zeigt an, dass ein Kontakt das Ziel erreicht hat? Ein Beispiel wäre ein Feld wie
Order_Count > 0.
Gerade die dritte Ebene ist für die Workflow-Logik entscheidend. Ein abstraktes Ziel wie „Kundenbindung steigern“ kann ein Automationssystem nicht direkt auswerten. Der gewünschte Zustand muss deshalb einem erfassbaren Attribut oder Ereignis zugeordnet werden.
Planen Sie anschließend rückwärts: Welcher Zustand soll am Ende vorliegen? Welche Schritte müssen davor stattfinden? Und welches Startereignis kann diese Abfolge sinnvoll in Gang setzen?
2. Scope und Systemgrenzen festlegen
Ein Workflow muss nicht möglichst viele Aufgaben übernehmen. Er sollte einen klar abgegrenzten Prozess zuverlässig abbilden.
Wird ein Ablauf immer größer, entstehen mehr Verzweigungen, Abhängigkeiten und mögliche Fehlerquellen. Für komplexe Prozesse empfiehlt es sich deshalb, mehrere kleinere und fokussierte Workflows zu verwenden und deren Übergabepunkte klar festzulegen.
Die entscheidende Frage lautet:
Was gehört noch zu diesem Workflow – und an welcher Stelle übernimmt ein anderer Ablauf oder ein anderes System?
Eine solche Grenze kann beispielsweise dort liegen, wo Workflow A nach Erreichen eines definierten Zustands einen nachgelagerten Workflow startet. Die Übergabe gehört zur Planung von Workflow A. Der komplette Aufbau von Workflow B dagegen nicht.
Skizzieren Sie den Ablauf möglichst schon jetzt als einfaches Flowchart auf Papier oder einem Board. Dadurch werden Systemgrenzen und unnötig komplexe Konstruktionen früher sichtbar.
3. Eintrittsberechtigung festlegen
Bevor Sie bestimmen, wodurch ein Kontakt in den Workflow gelangt, klären Sie zunächst, wer überhaupt eintreten darf.
Diese Eintrittsberechtigung – Eligibility – ist nicht dasselbe wie der Trigger.
Legen Sie dafür die erforderlichen Eintrittskriterien fest, beispielsweise Kundenstatus, vorhandene Merkmale oder die erforderliche Versandberechtigung. Dokumentieren Sie eindeutig, welche Kriterien erfüllt sein müssen und welche Kontakte ausgeschlossen werden.
4. Trigger bestimmen
Legen Sie anschließend fest, welches konkrete Ereignis oder welcher definierte Zustand den Workflow startet. Formulieren Sie den Trigger so eindeutig, dass später im Automation-Tool klar umgesetzt werden kann, wodurch ein Kontakt aufgenommen wird.
Halten Sie Eligibility und Trigger dabei getrennt: Die Eligibility bestimmt, wer eintreten darf. Der Trigger bestimmt, was den Eintritt auslöst.
⚠️ Warnung
Prüfen Sie bei listenbasierten Workflows auch Massenimporte. Werden Bestandskontakte in eine Liste importiert, kann dies je nach Konfiguration unbeabsichtigt einen daran gekoppelten Ablauf auslösen – beispielsweise eine eigentlich nur für neue Kontakte gedachte Welcome-Serie.
5. Benötigte Daten und Datenquellen auflisten
Trigger, Filter und Verzweigungen funktionieren nur, wenn die benötigten Informationen tatsächlich verfügbar sind.
Notieren Sie deshalb für jede datenabhängige Entscheidung vier Punkte:
- benötigtes Datenfeld
- Datenquelle
- erwarteter Wert
- Fallback bei fehlendem Wert
Die Frage lautet also nicht nur: „Welche Bedingung möchte ich prüfen?“, sondern auch: Woher erhält der Workflow die Information, mit der diese Bedingung geprüft werden soll?
Welche Daten für Filter und Verzweigungen tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt vom verwendeten System und der jeweiligen Datenquelle ab. Prüfen Sie deshalb bereits bei der Planung, ob die benötigten Felder oder Ereignisdaten im später verwendeten Automation-Tool für die gewünschte Bedingung ausgewertet werden können.
Besonders wichtig ist der Umgang mit fehlenden Werten. Unvollständige Daten müssen nicht dazu führen, dass der gesamte Workflow technisch ausfällt. Sie können stattdessen bewirken, dass ein Kontakt auf dem falschen Pfad landet.
Definieren Sie deshalb für jede relevante Datenauswertung einen Fallback: Was soll passieren, wenn ein erwarteter Wert leer ist oder fehlt?
⚠️ Warnung
Lassen Sie fehlende Daten nicht als ungeplanten Sonderfall offen. Für jede entscheidende Datenauswertung sollte feststehen, welchen Pfad ein Kontakt nimmt, wenn der benötigte Wert nicht vorhanden ist.
6. Minimalen Hauptpfad bauen
Nachdem Ziel, Eintritt und Datenbasis feststehen, konstruieren Sie zunächst den einfachsten möglichen Ablauf.
Dieser Happy Path beschreibt den idealen direkten Weg eines Kontakts vom Eintritt bis zum gewünschten Endzustand.
Lassen Sie Sonderfälle zunächst außen vor. Der Hauptpfad soll beantworten:
Was passiert, wenn alle vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt sind und der Kontakt den erwarteten Weg nimmt?
Damit entsteht ein logisches Grundgerüst, das sich leichter prüfen lässt als ein Ablauf, in den von Beginn an sämtliche Ausnahmen und Verzweigungen eingebaut werden.
Erst wenn dieser direkte Pfad nachvollziehbar funktioniert, ergänzen Sie die notwendigen Abweichungen.
7. Bedingungen und Verzweigungen planen
Planen Sie eine Verzweigung nur dann, wenn sich daraus tatsächlich unterschiedliche Folgeaktionen ergeben.
Prüfen Sie deshalb vor jedem Split:
Unterscheiden sich die nächsten Aktionen im Ja- und Nein-Pfad wirklich?
Wenn beide Wege anschließend dasselbe tun, bringt die Verzweigung keinen funktionalen Mehrwert und kann gestrichen werden.
Auch das verwendete Entscheidungskriterium verdient Aufmerksamkeit. Da automatische Datenschutzfunktionen wie Apple Mail Privacy Protection Öffnungsdaten verfälschen, sollte für Verzweigungen bevorzugt auf Klicks, Formulareingaben oder Attributänderungen gesetzt werden.
⚠️ Warnung
Planen Sie kritische Verzweigungen nicht ausschließlich anhand von E-Mail-Öffnungen. Öffnungsdaten können durch Datenschutzfunktionen wie Apple MPP beeinflusst werden und sind deshalb als Entscheidungssignal problematisch.
8. Timing und Wartezeiten festlegen
Nun erhält der Workflow seinen zeitlichen Rhythmus.
Universelle Regeln wie „Die zweite E-Mail muss immer nach 48 Stunden versendet werden“ lassen sich daraus nicht ableiten. Es gibt keine allgemeingültige optimale Wartezeit, die unabhängig von Ziel und Kontext auf jeden Marketing-Automation-Workflow übertragen werden kann.
Behandeln Sie das Timing deshalb als eigene Planungsentscheidung. Prüfen Sie für jede Wartezeit, warum sie an dieser Stelle benötigt wird und welche Funktion sie im Ablauf erfüllt.
9. Exit-, Abbruch- und Suppression-Regeln definieren
Ein vollständiger Workflow braucht nicht nur einen Einstieg, sondern auch eine klare Austrittslogik.
Definieren Sie deshalb mindestens, was geschehen soll, wenn ein Kontakt:
- den vorgesehenen Zielzustand erreicht,
- sich abmeldet,
- ein festgelegtes Ausschlusskriterium erfüllt.
Zusätzlich können Suppression-Regeln beziehungsweise Ausschlusslisten verhindern, dass ungeeignete Kontakte bestimmte Sendungen erhalten.
Die Exit-Logik sollte nicht erst am Ende des gezeichneten Hauptpfads stehen. Ein Kontakt kann den Zielzustand bereits erreichen, während er sich noch mitten im Workflow befindet. Dann muss die entsprechende Exit-Bedingung den regulären Ablauf übersteuern können.
10. Wiedereintritt aktiv entscheiden
Nach dem Austritt stellt sich eine weitere Frage: Darf derselbe Kontakt später noch einmal in diesen Workflow eintreten?
Diese Re-Entry- beziehungsweise Re-Enrollment-Entscheidung hängt vom Anwendungsfall ab. Ein Ablauf kann auf einen einmaligen Durchlauf ausgelegt sein oder bei einem später erneut eintretenden Ereignis nochmals starten.
Wichtig ist, diese Entscheidung nicht den Standardeinstellungen des verwendeten Tools zu überlassen.
Notieren Sie im Planungsblatt ausdrücklich:
- Ist ein Wiedereintritt erlaubt?
- Unter welchen Bedingungen?
- Wie häufig beziehungsweise bei welchen erneuten Ereignissen soll er möglich sein?
- Welche Einstellung muss dafür später im Zieltool geprüft werden?
11. Schnittstellen und Übergaben kennzeichnen
Ein einzelner Workflow kann Teil eines größeren technischen Prozesses sein. Deshalb sollten seine Übergabepunkte ebenfalls im Entwurf stehen.
Dazu können Übergaben an ein CRM, einen nachgelagerten Workflow oder ein externes System über eine entsprechende Schnittstelle gehören.
Für jede Übergabe sollte klar sein:
- Was wird übergeben?
- An welches System oder welchen nachgelagerten Workflow?
- Bei welchem Zustand erfolgt die Übergabe?
- Welche weitere Aktion wird dadurch ausgelöst?
⚠️ Warnung
Prüfen Sie Workflow-Übergaben auf zirkuläre Schleifen. Workflow A darf nicht Workflow B starten, während B unter denselben Bedingungen wieder A startet. Solche gegenseitigen Übergaben müssen bereits in der Planungsphase ausgeschlossen werden.
12. Pre-Live-Testing mit vier Testfällen durchführen
Ein Workflow ist nicht fertig geplant, nur weil sein Hauptpfad plausibel aussieht.
Vor der Aktivierung sollte die Logik systematisch mit unterschiedlichen Datensätzen geprüft werden. Eine einzelne Test-E-Mail reicht dafür nicht aus, denn sie zeigt nicht zuverlässig, ob Eligibility, Verzweigungen, Exit-Regeln und Fallbacks korrekt zusammenspielen.
Verwenden Sie dafür vier definierte Testfälle:
- Normalfall: Der Testkontakt erfüllt die vorgesehenen Bedingungen und durchläuft den Happy Path.
- Ausschlussfall: Ein Suppression- oder Exit-Kriterium greift. Prüfen Sie, ob der Kontakt tatsächlich ausgeschlossen beziehungsweise aus dem Ablauf entfernt wird.
- Alternativer Verzweigungspfad: Der Datensatz muss bewusst den Nein- beziehungsweise Alternativpfad einer wichtigen Verzweigung nehmen.
- Unvollständiger Datensatz: Ein benötigter Wert fehlt. Prüfen Sie, ob der vorgesehene Fallback greift.
Damit testen Sie nicht nur, ob einzelne Nachrichten oder Aktionen technisch funktionieren, sondern ob der geplante Workflow auch bei unterschiedlichen Datenzuständen logisch korrekt reagiert.
Wie diese Tests technisch durchgeführt werden, hängt vom verwendeten System ab. Manche Systeme ermöglichen Simulationen, andere arbeiten mit Testkontakten. Die vier Testfälle beschreiben deshalb die allgemein anzuwendende Prüflogik; die konkrete Durchführung muss im jeweiligen Zieltool geprüft werden.
Das 12-Punkte-Planungsblatt für Ihren Workflow
Bevor Sie den Automation-Builder öffnen, können Sie den gesamten Entwurf in einem einfachen Planungsblatt festhalten. Füllen Sie die zwölf Punkte möglichst vollständig aus und übertragen Sie den Ablauf zusätzlich als Flowchart auf Papier oder ein Board.
- Geschäftsziel und System-Exit-Zustand: Was soll geschäftlich erreicht werden, und welcher konkrete Datenzustand zeigt die Zielerreichung?
- Scope und Systemgrenzen: Was gehört in diesen Workflow, was ausdrücklich nicht, und wo liegen Übergabepunkte?
- Eligibility: Welche Kontakte dürfen eintreten und welche Eintritts- beziehungsweise Opt-in-Bedingungen müssen erfüllt sein?
- Trigger: Welches konkrete Ereignis oder welcher definierte Zustand startet den Ablauf?
- Benötigte Daten und Fallback-Werte: Welche Felder werden benötigt, woher stammen sie und was passiert bei fehlenden Werten?
- Minimaler Hauptpfad: Wie sieht der direkte Weg vom Eintritt zum Ziel aus?
- Bedingte Verzweigungen: Wo unterscheiden sich die Folgeaktionen tatsächlich abhängig von einer Bedingung?
- Timing und Delays: Wo sind Wartezeiten oder das Warten auf Ereignisse erforderlich?
- Exit- und Suppression-Regeln: Wann muss ein Kontakt unabhängig von seiner aktuellen Position aus dem Workflow entfernt oder ausgeschlossen werden?
- Wiedereintritt: Darf ein Kontakt erneut eintreten, und unter welchen Bedingungen?
- Schnittstellen und nachgelagerte Systeme: Welche Übergaben finden statt und wodurch werden sie ausgelöst?
- Testfälle: Wie werden Normalfall, Ausschlussfall, Alternativpfad und fehlende Daten geprüft?
ℹ️ Hinweis
Füllen Sie das Planungsblatt vollständig aus, bevor Sie mit der technischen Konfiguration beginnen. Wenn eine Verzweigung, Datenquelle, Exit-Regel oder ein Fallback im Entwurf noch nicht eindeutig beschrieben werden kann, ist die entsprechende Architekturentscheidung noch offen.
Wenn Ihr Workflow vollständig geplant ist und Sie sich ansehen möchten, wie sich Marketing-Automation technisch in Quentn abbilden lässt, finden Sie beim Anbieter einen Überblick über die entsprechenden Automationsfunktionen.
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Fazit: Erst die Workflow-Logik planen, dann das Tool öffnen
Ein Marketing-Automation-Workflow entsteht nicht dadurch, dass im Automation-Builder schrittweise Elemente miteinander verbunden werden. Die entscheidenden Architekturfragen sollten vorher beantwortet sein.
Beginnen Sie beim gewünschten Endzustand und grenzen Sie den Workflow klar ab. Trennen Sie anschließend Eintrittsberechtigung und Trigger, erfassen Sie den Datenbedarf und bauen Sie zunächst einen minimalen Hauptpfad. Erst danach kommen Verzweigungen und Timing hinzu.
Exit- und Suppression-Regeln sowie die Entscheidung über einen möglichen Wiedereintritt gehören ebenso zur Architektur wie der Einstieg. Schnittstellen müssen auf saubere Übergaben und mögliche Schleifen geprüft werden. Zum Abschluss testen vier unterschiedliche Datensätze, ob nicht nur der Idealweg, sondern auch Ausschlüsse, Alternativpfade und fehlende Daten korrekt behandelt werden.
Der praktische nächste Schritt besteht deshalb nicht darin, den Automation-Builder zu öffnen. Füllen Sie zunächst das 12-Punkte-Planungsblatt aus und zeichnen Sie daraus Ihren vollständigen Ablauf. Erst wenn dieser Entwurf logisch geschlossen ist, übertragen Sie ihn in das gewünschte System.
