E-Mail-Segmentierung: So teilen Sie Empfänger sinnvoll in Segmente ein
E-Mail-Segmentierung wird dann nützlich, wenn aus vorhandenen Daten eine konkrete Versandentscheidung entsteht. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie passende Kriterien auswählen, die Datenqualität prüfen und daraus klare Regeln mit Einschlüssen, Ausschlüssen und Zeitfenstern bilden. So entwickeln Sie wenige, belastbare Segmente statt unnötiger Mikrogruppen.
Inhaltsverzeichnis
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E-Mail-Segmentierung bedeutet, einen Verteiler anhand gemeinsamer Merkmale oder Verhaltensweisen in gezielt ansprechbare Empfängergruppen aufzuteilen. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Gruppen zu bilden. Ein Segment hat erst dann einen praktischen Wert, wenn es eine konkrete Kommunikationsentscheidung verändert – etwa wer eine E-Mail erhält, welche Botschaft oder welches Angebot relevant ist, wann die Nachricht versendet wird oder wer ausdrücklich ausgeschlossen werden soll.
Dafür braucht es eine geeignete Datenbasis und klare Regeln. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Segmentierungskriterien sinnvoll sein können, wie UND- und ODER-Bedingungen funktionieren, wann statische oder dynamische Segmente passen und wie Sie aus vorhandenen Daten konkrete Segmentregeln entwickeln.
Was ist E-Mail-Segmentierung?
Bei der E-Mail-Segmentierung wird ein Gesamtverteiler nach gemeinsamen Merkmalen oder Verhaltensweisen gefiltert. Ein Segment ist dabei keine einmalige Sortierung von Kontakten, sondern eine regelbasierte Filterabfrage über vorhandene Daten und Ereignisse.
Das lässt sich von verwandten Begriffen abgrenzen:
- Liste: eine feste oder manuell zusammengestellte Gruppe von Empfängern.
- Tag oder Feld: ein gespeichertes Attribut eines Kontakts, beispielsweise eine Branche, Region oder Präferenz.
- Segment: eine anhand definierter Regeln gefilterte Empfängergruppe, die sich aus Merkmalen und Ereignissen ergeben kann.
- Personalisierung: die Anpassung einzelner Inhalte innerhalb einer Nachricht an den jeweiligen Empfänger.
ℹ️ Hinweis
Personalisierung vs. Segmentierung
Segmentierung entscheidet, welche Empfängergruppe angesprochen wird. Personalisierung verändert dagegen einzelne Bestandteile der Nachricht für einen Empfänger. Ein gespeichertes Feld oder ein Tag kann wiederum als Datengrundlage dienen, aus der ein Segment gebildet wird.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem gespeicherten Merkmal und der daraus abgeleiteten Regel. Das Feld „Branche“ sagt beispielsweise zunächst nur etwas über einen Kontakt aus. Erst eine Filterregel wie „Branche = Maschinenbau UND Kundenstatus = Interessent“ macht daraus eine für den Versand nutzbare Auswahl.
Wie funktioniert Segmentierung praktisch?
Technisch beruht Segmentierung auf regelbasierten Datenbankabfragen. Das Grundprinzip lässt sich unabhängig von einer bestimmten E-Mail-Marketing-Software als einfache Kette darstellen:
Datenbasis → Filterbedingungen → Segmentmitgliedschaft → Kommunikationsentscheidung
Am Anfang stehen die Daten zu den Kontakten. Das können beispielsweise Angaben aus einem Formular, CRM-Daten, Klickereignisse oder Transaktionsdaten aus einem Shop sein.
Darauf werden Filterbedingungen angewendet. Ein einfaches Beispiel wäre:
„Alle Kontakte, die sich für Thema A interessieren und innerhalb eines festgelegten Zeitraums auf einen passenden Link geklickt haben.“
Das System prüft anschließend, welche Kontakte die Bedingungen erfüllen. Bei einem dynamischen Segment kann sich die Mitgliedschaft automatisch ändern, wenn sich die zugrunde liegenden Daten ändern.
Der eigentliche Nutzen entsteht jedoch erst im nächsten Schritt: Die gefilterte Gruppe erhält eine andere Kommunikation als Kontakte, für die die definierten Bedingungen nicht gelten. Segmentierung verbindet damit Daten und konkrete Versandentscheidungen.
Wann ist ein Segment sinnvoll?
Nicht jedes vorhandene Datenfeld rechtfertigt ein eigenes Segment. Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Was machen Sie kommunikativ anders, weil ein Kontakt dieses Merkmal besitzt oder ein bestimmtes Verhalten gezeigt hat?
Ein Segment ist vor allem dann sinnvoll, wenn es mindestens eine dieser fünf Entscheidungen verändert:
- Empfängerauswahl: Wer erhält die E-Mail – und wer nicht?
- Inhalt oder Botschaft: Welcher inhaltliche Schwerpunkt ist für diese Gruppe relevant?
- Angebot: Welches Produkt oder welche Leistung soll der Gruppe gezeigt werden?
- Zeitpunkt oder Frequenz: Wann und wie häufig soll die Gruppe angesprochen werden?
- Ausschluss: Welche Kontakte sollen ausdrücklich nicht angesprochen werden?
Damit lässt sich schnell prüfen, ob eine Segmentierung tatsächlich einen Nutzen hat.
„Kunden aus Bayern“ ist beispielsweise noch kein sinnvoller Kommunikationsansatz, wenn sich Angebot, Inhalt, Versandzeitpunkt und Ansprache nicht von Kunden in anderen Regionen unterscheiden. Gibt es dagegen ein regional begrenztes Event oder eine Leistung nur für diese Region, kann die geografische Information eine konkrete Versandentscheidung ermöglichen.
Dasselbe gilt für demografische Merkmale. Eine Gruppe „30 bis 39 Jahre“ ist allein deshalb nicht automatisch ein sinnvolles Segment. Erst wenn das Alter für die konkrete Kommunikation einen relevanten Unterschied erzeugt, wird daraus eine nutzbare Segmentierungsgrundlage.
Diese Prüfung verhindert, dass aus jedem verfügbaren Datenpunkt ein eigenes Mikrosegment entsteht.
Nach welchen Kriterien lassen sich Empfänger segmentieren?
Für die praktische Segmentierung lassen sich sechs zentrale Dimensionen unterscheiden. Wichtig ist neben dem Kriterium selbst immer die Frage, woher die benötigten Daten stammen.
Demografie und Firmografie
Im B2C-Bereich können dazu beispielsweise Alter oder Geschlecht gehören. Im B2B-Kontext sind Branche oder Unternehmensgröße mögliche Kriterien.
Solche Informationen können etwa aus Formularen oder gepflegten CRM-Daten stammen. Entscheidend bleibt, ob das jeweilige Merkmal tatsächlich eine Kommunikationsentscheidung verändert.
Geografie
Mögliche geografische Kriterien sind:
- Land
- Region
- Postleitzahl
- Sprache
Geografische Segmente können beispielsweise sinnvoll werden, wenn Inhalte, Leistungen oder Veranstaltungen regional unterschiedlich relevant sind. Die benötigten Daten können unter anderem über Formulare oder vorhandene Kontaktdaten erfasst werden.
Interessen und Präferenzen
Hier geht es um Informationen wie:
- ausgewählte Themen
- bevorzugte Content-Kategorien
- Produktinteressen
Solche Angaben können ausdrücklich abgefragt oder aus geeigneten Interaktionen abgeleitet werden. Eine im Formular ausgewählte Themenpräferenz ist beispielsweise eine andere Datenart als ein tatsächlich angeklickter Inhalt.
Verhalten
Verhaltensdaten entstehen durch konkrete Interaktionen. Dazu gehören beispielsweise:
- Klicks in E-Mails
- Website-Besuche
- Content-Downloads
Als Datenquellen kommen je nach Verhalten unter anderem E-Mail-Tracking, Website-Tracking und Automation-Systeme infrage.
Kauf- und Transaktionsdaten
Im E-Commerce können Transaktionsdaten besonders konkrete Segmentregeln ermöglichen. Dazu zählen etwa:
- Kaufhistorie
- Zeitpunkt des letzten Kaufs
- Kaufhäufigkeit
- Umsatz beziehungsweise Kaufwert
- Warenkorb
Bei einer RFM-Betrachtung werden Recency, Frequency und Monetary betrachtet – also Aktualität, Häufigkeit und monetärer Wert von Käufen. Die entsprechenden Informationen stammen typischerweise aus dem Shop- oder Transaktionssystem.
Lifecycle und Engagement
Auch der Status eines Kontakts kann für die Segmentierung relevant sein. Beispiele sind:
- Funnel-Phase
- Kundenstatus
- Dauer der Inaktivität
Solche Informationen können aus CRM-, E-Mail- oder Automation-Daten stammen. Gerade bei Engagement-Segmenten ist allerdings entscheidend, welches Signal tatsächlich als belastbarer Aktivitätsindikator verwendet wird.
So bauen Sie ein sinnvolles Segment Schritt für Schritt
Eine brauchbare Segmentregel beginnt nicht mit einem Filter im E-Mail-Tool, sondern mit dem Kommunikationsziel.
1. Ziel festlegen
Definieren Sie zunächst, was mit dem Segment erreicht werden soll. Soll eine bestimmte Interessengruppe relevantere Inhalte erhalten? Geht es um eine Reaktivierung? Oder sollen Kontakte von einer Kommunikation ausgeschlossen werden, weil sie bereits gekauft haben?
Je genauer das Ziel formuliert ist, desto leichter lassen sich später passende Regeln und Kennzahlen auswählen.
2. Relevanten Unterschied identifizieren
Prüfen Sie anschließend, welche Kommunikationsentscheidung sich für die betreffende Gruppe tatsächlich ändert.
Wenn sich weder Empfängerauswahl, Inhalt, Angebot, Zeitpunkt, Frequenz noch Ausschluss ändern, besteht meist kein ausreichender Grund für ein separates Segment.
3. Datenbasis prüfen
Ermitteln Sie, welche Daten für die gewünschte Unterscheidung erforderlich sind und ob diese Daten tatsächlich vorhanden und ausreichend verlässlich sind.
Ein theoretisch perfektes Segment hilft wenig, wenn das benötigte Profilfeld bei einem großen Teil der Kontakte leer oder veraltet ist.
4. Einschlusskriterien formulieren
Definieren Sie, welche Bedingungen ein Kontakt erfüllen soll, um in das Segment aufgenommen zu werden.
Formulieren Sie diese Bedingungen möglichst eindeutig. Statt eines unscharfen „aktive Leser“ braucht es beispielsweise ein konkret definiertes Verhalten und gegebenenfalls einen Zeitraum.
5. Ausschlussfilter definieren
Prüfen Sie ausdrücklich, wer trotz erfüllter Einschlussbedingungen nicht angesprochen werden soll.
Ausschlüsse sind besonders wichtig, wenn sich mehrere Segmente überschneiden können. Sie helfen dabei, doppelte oder widersprüchliche Kommunikation zu vermeiden.
6. Statischen oder dynamischen Typ wählen
Überlegen Sie, ob sich die Mitgliedschaft automatisch anhand der Daten verändern soll oder ob Sie einen bestimmten Datenstand festhalten möchten.
Für laufende verhaltensbasierte Kommunikation bietet sich das dynamische Prinzip an. Für eine feststehende Gruppe zu einem bestimmten Stichtag kann eine statische Auswahl sinnvoller sein.
7. Segment anwenden und Kommunikation versenden
Erst jetzt wird die Regel für die eigentliche Kommunikationsentscheidung genutzt. Die Segmentierung ist damit kein Selbstzweck, sondern steuert einen konkreten Versand oder Ausschluss.
8. Erfolg zielbezogen messen
Wählen Sie die Kennzahl passend zum ursprünglichen Segmentziel. Ein Interessensegment kann beispielsweise anhand von Klicks auf relevante Inhalte bewertet werden, während bei einem Warenkorbabbruch Conversion oder Umsatz näher am eigentlichen Ziel liegen.
Als einheitliche Arbeitslogik eignet sich:
Zweck → Daten → Einschluss → Ausschluss → Zeitfenster → Typ → Kommunikationsfolge → KPI
Konkrete Segmentlogiken mit UND, ODER, Zeiträumen und Ausschlüssen
Sobald mehrere Bedingungen zusammenkommen, entscheidet ihre logische Verknüpfung darüber, wer tatsächlich zum Segment gehört.
UND: Alle Bedingungen müssen erfüllt sein
Bei einer UND-Verknüpfung muss ein Kontakt sämtliche definierten Bedingungen erfüllen.
Beispiel: Branche = Maschinenbau UND Status = Interessent
Ein Kontakt aus dem Maschinenbau, der bereits Kunde ist, würde die Regel nicht erfüllen. Ebenso wenig ein Interessent aus einer anderen Branche.
ODER: Mindestens eine Bedingung reicht aus
Bei einer ODER-Verknüpfung genügt es, wenn mindestens eine der Bedingungen erfüllt ist.
Beispiel: Interesse = Thema A ODER Interesse = Thema B
Damit können Kontakte aufgenommen werden, die sich für eines der beiden Themen interessieren.
UND und ODER kombinieren
Komplexere Regeln können mehrere Bedingungsgruppen verbinden. Eine logische Struktur könnte beispielsweise lauten:
(Interesse = Thema A ODER Interesse = Thema B) UND Kundenstatus = Interessent
Durch die Gruppierung wird festgelegt, welche Alternativen zusammengehören und welche zusätzliche Bedingung für alle Kontakte gelten soll.
Wie tief solche Regeln verschachtelt werden können, hängt vom verwendeten System ab. Prüfen Sie deshalb bei komplexeren Segmenten die Filtermöglichkeiten und Grenzen Ihres Tools.
Wenn Sie sich ansehen möchten, wie eine Plattform tag- und verhaltensbasierte Segmentierung umsetzt, können Sie KlickTipp näher prüfen.
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Ausschlüsse ausdrücklich definieren
Eine Segmentregel sollte nicht nur beantworten, wer hinein soll, sondern auch, wer draußen bleiben soll.
Ein Ausschluss kann beispielsweise verhindern, dass ein Kontakt eine Verkaufsnachricht erhält, obwohl er das betreffende Produkt bereits gekauft hat.
Gerade bei mehreren parallel verwendeten Segmenten sind solche Regeln wichtig, weil ein einzelner Kontakt mehreren Gruppen gleichzeitig angehören kann.
Zeitfenster präzise formulieren
Verhaltensregeln brauchen häufig einen klaren Zeitraum. „Inaktive Kontakte“ ist beispielsweise keine ausreichend präzise Regel, solange nicht definiert ist, ab wann Inaktivität beginnt.
Eine konkrete Bedingung kann stattdessen mit einem Zeitraum wie „letzter Klick vor mehr als 90 Tagen“ arbeiten.
Unklare Zeitfenster können insbesondere bei Reaktivierungssegmenten dazu führen, dass Kontakte unbeabsichtigt wiederholt angesprochen werden.
Statische und dynamische Segmente
Grundsätzlich lassen sich zwei Funktionsweisen unterscheiden: automatisch neu berechnete und stichtagsbezogen fixierte Empfängergruppen.
Die genaue Bezeichnung unterscheidet sich allerdings zwischen den Plattformen. Systeme verwenden beispielsweise Begriffe wie „active lists“, „dynamic segments“ oder „dynamische Segmente“ sowie „static lists“ oder vergleichbare Bezeichnungen. Deshalb ist das Funktionsprinzip wichtiger als der jeweilige Produktbegriff.
Dynamische Segmente
Bei dynamischen beziehungsweise aktiven Segmenten wird die Mitgliedschaft anhand der festgelegten Regeln automatisch neu berechnet.
Ändern sich die relevanten Kontaktdaten, kann ein Empfänger entsprechend der Regeln in das Segment eintreten oder es wieder verlassen.
Mögliche Anwendungsfälle sind:
- Reaktivierung
- Geburtstage
- VIP-Status
- Warenkorbabbrüche
Wie schnell eine Änderung in der Segmentmitgliedschaft berücksichtigt wird, ist plattformabhängig. Eine allgemeine Echtzeit-Aktualisierung für jedes E-Mail-System lässt sich daher nicht voraussetzen.
Statische Segmente und Snapshots
Bei einer statischen Gruppe wird dagegen ein bestimmter Datenstand fixiert. Die Mitgliedschaft aktualisiert sich nicht automatisch anhand späterer Änderungen.
Das kann beispielsweise sinnvoll sein für:
- Teilnehmer eines bestimmten Events
- einen Messe-Import
- eine historische Analyse
Die zentrale Entscheidung lautet damit: Soll die Empfängergruppe einen festen Zustand abbilden oder soll sie sich anhand der Segmentregeln automatisch weiterentwickeln?
Welche Daten braucht man – und wie zuverlässig sind sie?
Für Segmentierung gilt: Datenqualität ist wichtiger als möglichst große Granularität.
Ein detailliertes Regelwerk auf Basis lückenhafter oder veralteter Daten kann weniger hilfreich sein als ein einfacheres Segment, dessen Kriterien verlässlich gepflegt werden.
Prüfen Sie deshalb vor der Nutzung eines Datenfelds:
- Ist die Information bei ausreichend vielen relevanten Kontakten vorhanden?
- Wird sie aktuell gehalten?
- Stammt sie aus einer geeigneten Datenquelle?
- Ist das Signal für die beabsichtigte Unterscheidung aussagekräftig?
Besondere Vorsicht ist bei Öffnungsdaten erforderlich.
Der Apple-MPP-Effekt auf Öffnungsdaten
Apple Mail Privacy Protection lädt Remote-Inhalte einer E-Mail, darunter auch Zählpixel, über Proxy-Server im Hintergrund herunter. Dadurch kann technisch eine Öffnung registriert werden, obwohl daraus nicht zuverlässig abgeleitet werden kann, dass der Empfänger die Nachricht tatsächlich geöffnet hat.
⚠️ Warnung
Öffnungen sollten deshalb nicht als alleiniges Verhaltens- oder Aktivitätskriterium für ein Segment verwendet werden. Aussagekräftigere Aktivitätssignale können Klicks und Link-Interaktionen sowie – sofern für den jeweiligen Anwendungsfall verfügbar – Käufe, Portal-Logins und Website-Aktivitäten sein.
Das betrifft beispielsweise Reaktivierungssegmente. Wer „hat seit 90 Tagen keine E-Mail geöffnet“ als alleinige Definition von Inaktivität verwendet, baut die Regel auf einem eingeschränkten Signal auf. Klickbasierte Aktivität ist für diesen Zweck belastbarer.
Praxisbeispiele für Newsletter, B2B und E-Commerce
Konkrete Segmentregeln werden verständlicher, wenn nicht nur ein Segmentname genannt wird, sondern die gesamte Logik sichtbar bleibt.
Beispiel 1: Engagierte Newsletter-Leser
Zweck: Leser mit nachweisbarem Interesse an einem Themenbereich gezielt mit passenden Inhalten ansprechen.
Daten: Klickdaten zu relevanten Newsletter-Inhalten.
Einschluss: Kontakte, die auf Links aus dem betreffenden Themenbereich geklickt haben.
Ausschluss: Kontakte, die nach der definierten Aktivitätslogik inzwischen als inaktiv gelten, sowie Kontakte, die nicht mehr angeschrieben werden sollen.
Zeitfenster: Für die verwendeten Klick- und Inaktivitätssignale wird ein klar definierter Zeitraum festgelegt.
Typ: Dynamisch, wenn sich die Gruppe anhand neuer Interaktionen automatisch verändern soll.
Kommunikationsfolge: Versand thematisch passender Inhalte an die qualifizierte Gruppe.
KPI: Klickrate beziehungsweise Klicks auf die für das Segment relevanten Inhalte.
Beispiel 2: Warenkorbabbrecher im E-Commerce
Zweck: Kontakte an einen noch nicht abgeschlossenen Kauf anknüpfend ansprechen.
Daten: Warenkorb- und Kaufdaten aus dem Shop-System.
Einschluss: Kontakte mit einem entsprechenden Warenkorb-Ereignis ohne dazugehörigen abgeschlossenen Kauf.
Ausschluss: Kontakte, die innerhalb der letzten 24 Stunden gekauft haben.
Zeitfenster: Die Kaufprüfung bezieht sich auf die letzten 24 Stunden.
Typ: Dynamisch, damit Käufer anhand neuer Transaktionsdaten aus der Zielgruppe herausfallen können.
Kommunikationsfolge: Eine auf den Warenkorb bezogene Kommunikation an die weiterhin relevanten Kontakte.
KPI: Conversion beziehungsweise daraus resultierender Umsatz.
Beispiel 3: B2B-Decision-Maker einer bestimmten Branche
Zweck: Eine für eine bestimmte Branche relevante B2B-Kommunikation an passende Entscheidungsträger richten.
Daten: Branche, Rolle beziehungsweise Status und vorhandene CRM-Informationen.
Einschluss: Kontakte in der definierten Branche, die als relevante Entscheidungsträger beziehungsweise qualifizierte Kontakte eingeordnet sind.
Ausschluss: Unqualifizierte Leads sowie Kontakte, bei denen die festgelegte Ausschlusslogik aufgrund von Support-Tickets greift.
Zeitfenster: Abhängig von der zugrunde liegenden Kampagne und den verwendeten Statusdaten.
Typ: Dynamisch, wenn sich Qualifizierung oder Kontaktstatus laufend ändern.
Kommunikationsfolge: Versand der für Branche und Rolle vorgesehenen B2B-Kommunikation.
KPI: Die Erfolgsmessung richtet sich nach dem konkreten Kommunikationsziel und nicht nach einer isolierten Öffnungsrate.
Beispiel 4: Reaktivierung ehemals aktiver Kontakte
Zweck: Kontakte identifizieren, die früher nachweisbar aktiv waren, inzwischen aber keine entsprechende Aktivität mehr zeigen.
Daten: Klick-Historie, aktuelle Klickaktivität sowie Versandstatus.
Einschluss: Kontakte mit früherer Klickaktivität, deren letzter relevanter Klick mehr als 90 Tage zurückliegt.
Ausschluss: Abgemeldete Kontakte und Bounces.
Zeitfenster: Letzter relevanter Klick vor mehr als 90 Tagen.
Typ: Dynamisch, damit Kontakte bei neuer Aktivität die Inaktivitätsbedingung nicht mehr erfüllen.
Kommunikationsfolge: Gezielte Reaktivierung der nach dieser Logik identifizierten Kontakte.
KPI: Reaktivierungsquote anhand der für die Reaktivierung definierten Zielhandlung.
Die Beispiele zeigen auch, warum Segmentnamen allein wenig aussagen. „Engagiert“, „inaktiv“ oder „Decision-Maker“ werden erst dann operational nutzbar, wenn Daten, Bedingungen, Ausschlüsse und Zeiträume eindeutig definiert sind.
Typische Fehler bei der Segmentierung
Ein häufiger Fehler besteht darin, Segmentierung mit möglichst großer Detailtiefe gleichzusetzen. Mehr Segmente bedeuten jedoch nicht automatisch eine bessere Kommunikation.
Zu viele Mikrosegmente
Over-Segmentation entsteht, wenn immer kleinere Gruppen gebildet werden, ohne dass für diese Gruppen tatsächlich unterschiedliche Inhalte oder ausreichende Ressourcen vorhanden sind.
Für den Einstieg ist es sinnvoller, mit etwa zwei bis drei klar abgegrenzten Kernsegmenten zu arbeiten, die jeweils eine erkennbare Kommunikationsentscheidung verändern, statt zahlreiche kaum nutzbare Mikrosegmente anzulegen.
Segmentierung mit Datenfriedhöfen
Ein vorhandenes Feld ist nicht automatisch ein gutes Segmentierungskriterium. Alte, unvollständige oder nur bei wenigen Kontakten gepflegte Daten können Regeln verfälschen.
Nutzen Sie deshalb vor allem Datenfelder, die aktuell sind und bei einer relevanten Zahl der betroffenen Kontakte tatsächlich gepflegt werden.
Demografie ohne Kommunikationsnutzen
Eine Aufteilung nach Alter, Geschlecht oder anderen Profilmerkmalen ist nicht allein deshalb sinnvoll, weil die Daten verfügbar sind.
Prüfen Sie auch hier zuerst: Welche konkrete Kommunikation verändert sich durch diese Information?
Fehlende Ausschlussfilter
Wer nur Einschlussregeln definiert, übersieht schnell Überschneidungen zwischen Segmenten. Dadurch können Empfänger mehrfach oder widersprüchlich angesprochen werden.
Definieren Sie deshalb bei jeder Segmentlogik ausdrücklich, wer nicht zur Zielgruppe gehören soll.
Veraltete Segmentregeln
Auch eine ursprünglich sinnvolle Regel kann ihren Nutzen verlieren. Datenfelder, Kommunikationsziele und Prozesse verändern sich.
Segmentregeln sollten deshalb regelmäßig darauf geprüft werden, ob ihre Datenbasis noch aktuell ist und die ursprüngliche Kommunikationsentscheidung weiterhin besteht.
Wie prüft und pflegt man Segmente?
Der Erfolg eines Segments sollte am ursprünglichen Ziel gemessen werden. Eine einzelne Kennzahl eignet sich nicht automatisch für jeden Anwendungsfall.
Bei einem interessenbasierten Segment können Klicks auf relevante Inhalte ein passender Indikator sein. Bei Warenkorbabbrechern liegen Conversion und Umsatz näher am Ziel. Bei einem Reaktivierungssegment ist entscheidend, ob zuvor inaktive Kontakte die gewünschte Aktivität wieder aufnehmen.
Öffnungsraten sollten dabei nicht isoliert als Erfolgskriterium verwendet werden.
Um herauszufinden, ob die Segmentierung tatsächlich einen Mehrwert bringt, kann außerdem eine segmentierte Kampagne mit einem unsegmentierten Standardversand verglichen werden. Entscheidend ist auch hier die zum jeweiligen Ziel passende Kennzahl. Eine vertiefte statistische A/B-Test-Methodik ist dafür an dieser Stelle nicht erforderlich.
Neben der Erfolgsmessung gehört die Pflege der Regeln zum laufenden Prozess. Prüfen Sie in einem regelmäßigen Turnus:
- Ist das Segmentziel noch relevant?
- Sind die verwendeten Daten weiterhin aktuell und ausreichend gepflegt?
- Funktionieren Zeitfenster und Ausschlüsse noch wie vorgesehen?
- Gibt es Überschneidungen mit anderen Segmenten?
- Führt das Segment weiterhin zu einer tatsächlich unterschiedlichen Kommunikation?
Datenschutz und Versandberechtigung kurz eingeordnet
Segmentierung ändert nichts daran, dass für den Versand von Werbe-E-Mails die geltenden rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen. In Deutschland ist dabei insbesondere § 7 UWG für die E-Mail-Direktwerbung relevant. Ein Segment ersetzt keine erforderliche Versandberechtigung.
Auch die Verarbeitung von Verhaltensdaten ist zu berücksichtigen. Art. 21 Abs. 2 DSGVO sieht bei der Verarbeitung personenbezogener Daten für Direktwerbung einschließlich des damit zusammenhängenden Profilings ein jederzeitiges Widerspruchsrecht vor.
⚠️ Warnung
Eine technisch passende Segmentregel ist nicht automatisch eine Versandberechtigung. Segmentierung und die rechtlichen Voraussetzungen für die Nutzung personenbezogener Daten und den Werbeversand sind getrennt zu betrachten.
Diese Einordnung dient der praktischen Orientierung und ersetzt keine individuelle rechtliche Prüfung.
Wenn Sie das Thema DSGVO im E-Mail-Marketing weiter vertiefen möchten, finden Sie dazu eine separate Schulung von KlickTipp.
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Häufig gestellte Fragen zur E-Mail-Segmentierung
Ab welcher Verteilergröße lohnt sich Segmentierung?
Es gibt keinen festen allgemeinen Schwellenwert, ab dem Segmentierung sinnvoll wird. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen dem Aufwand für Erstellung und Pflege des Segments und dem Kommunikationsnutzen.
Auch bei einem kleineren Verteiler kann ein Segment sinnvoll sein, wenn dadurch eine relevante Gruppe gezielt anders angesprochen oder ausgeschlossen werden kann. Umgekehrt rechtfertigt ein großer Verteiler nicht automatisch eine Vielzahl von Segmenten.
Sollte man eher nach Interessen oder nach Verhalten segmentieren?
Das hängt von der verfügbaren Datenbasis und dem Kommunikationsziel ab. Verhaltensdaten beziehungsweise implizite Signale können aussagekräftiger sein als eine einmalig angegebene Präferenz, wenn sie eine tatsächliche aktuelle Interaktion abbilden.
Wichtig ist allerdings, das verwendete Verhalten sorgfältig auszuwählen. Eine registrierte E-Mail-Öffnung sollte aufgrund der Einschränkungen durch Apple Mail Privacy Protection nicht allein als verlässlicher Aktivitätsnachweis dienen.
Können Empfänger mehreren Segmenten gleichzeitig angehören?
Ja. Ein Kontakt kann gleichzeitig mehrere unterschiedliche Bedingungen erfüllen. Beispielsweise kann dieselbe Person zu einem Interessensegment, einem geografischen Segment und einer bestimmten Lifecycle-Gruppe gehören.
Deshalb sind klare Ausschlussregeln und Prioritäten wichtig. Sie verhindern, dass Überschneidungen zu doppelten oder widersprüchlichen Nachrichten führen.
Wie oft sollten Segmentregeln überprüft werden?
Segmentregeln sollten regelmäßig und zusätzlich bei relevanten Strategieänderungen kontrolliert werden. Als praktischer Turnus kann beispielsweise eine quartalsweise Überprüfung dienen.
Wichtiger als ein starrer Kalender ist jedoch, dass Ziel, Datenbasis, Regeln, Zeitfenster und Ausschlüsse nicht dauerhaft ungeprüft weiterlaufen.
Fazit: Gute Segmentierung beginnt mit einer Kommunikationsentscheidung
E-Mail-Segmentierung funktioniert als regelbasierte Auswahl von Empfängern anhand vorhandener Daten. Die entscheidende Arbeit besteht deshalb nicht darin, möglichst viele Merkmale zu sammeln, sondern aus geeigneten Daten klare Regeln für eine konkrete Kommunikationsentscheidung abzuleiten.
Prüfen Sie zuerst, was sich für eine bestimmte Empfängergruppe tatsächlich ändern soll. Legen Sie anschließend die benötigten Daten, Einschlussregeln, Ausschlüsse und Zeitfenster fest und entscheiden Sie, ob eine statische oder dynamische Gruppe benötigt wird. Danach lässt sich der Erfolg anhand des ursprünglichen Kommunikationsziels bewerten.
Für den Einstieg reichen wenige klar definierte Kernsegmente. Ein hilfreicher nächster Schritt ist deshalb, einen bestehenden Verteiler nicht sofort vollständig aufzuteilen, sondern zunächst ein konkretes Kommunikationsziel auszuwählen und dafür die erste Segmentregel nach diesem Schema aufzuschreiben:
Zweck → Daten → Einschluss → Ausschluss → Zeitfenster → Typ → Kommunikationsfolge → KPI
